Was ist die „ideale“ Vorbereitung für eine Insemination bei idiopathischer Sterilität?

Eine intrauterine Insemination (IUI) ist im Spontanzyklus und nach ovarieller Stimulation möglich, wobei im Falle der Stimulation das Risiko einer Mehrlingsschwangerschaft und der assoziierten mütterlichen und neonatalen Probleme berücksichtigt werden muss.
Eine aktuelle Meta-Analyse der bis August 2018 verfügbaren Studien vergleicht die Effektivität und Sicherheit der IUI mit Clomifen (CC), Letrozol oder Gonadotropinen untereinander und mit der IUI im Spontanzyklus (Danhof et al. IUI for unexplained infertility-a network meta-analysis. Hum. Reprod. Update 2019; Dec 5 [Epub ahead of print]). Eingeschlossen wurden 26 Studien mit 5316 Frauen. Unter dem Hinweis, dass alle Studien nur eine niedrige bis mittlere Qualität aufwiesen, zeigten sich die folgenden Ergebnisse:

  1. Schwangerschafts (SS)-/Lebendgeburten-Rate:

    CC vs. Spontanzyklus RR 1,05 (95% CI 0,63 – 1,77)
    Letrozol vs. Spontanzyklus RR 1,15 (95% CI 0,63 – 2,08)
    Gonadotropine vs. Spontanzyklus RR 1,46 (95% CI 0,92 – 2,30)
    Gonadotropine vs. CC RR 1,39 (95% CI 1,09 – 1,76)
    Letrozol vs. CC RR 1,09 (95% CI 0,76 – 1,57)
    Letrozol vs. Gonadotropine RR 0,79 (95% CI 0,54 – 1,15)

  2. Mehrlingsrate:

    CC vs. Spontanzyklus keine Daten
    Letrozol vs. Spontanzyklus keine Daten
    Gonadotropine vs. Spontanzyklus RR 9,11 (95% CI 1,18 – 70,32)
    Gonadotropine vs. CC RR 1,42 (95% CI 0,68 – 2,97)
    Letrozol vs. CC RR 0,97 (95% CI 0,47 - 2,01)
    Letrozol vs. Gonadotropine RR 0,29 (95% CI 0,14 – 0,58)

Betrachtete man aber nur die Studien mit strengen Abbruchkriterien (Follikelzahl, ggf. Punktion “überzähliger” Follikel vor der IUI etc.) ergab sich folgendes Bild:

SS-/Lebendgeburten-Rate:
Gonadotropine vs. CC

RR 1,20 (95% CI 0,95 – 1,51)
Mehrlingsrate:
Gonadotropine vs. CC

RR 0,80 (95% CI 0,38 – 1,68)

Zusammenfassend ließ sich feststellen, dass eine IUI nach Gonadotropin-Stimulation die höchste SS- und Lebendgeburtenrate erreicht, aber auch das Mehrlingsrisiko steigt. Letzteres Problem lässt sich aber ohne Beeinträchtigung der Therapieeffektivität reduzieren, wenn strenge Abbruchkriterien definiert werden. Unter dieser Prämisse verbessern Gonadotropine das Therapieergebnis gegenüber CC, so dass die Autoren Gonadotropine bei der IUI empfehlen, aber auch darauf hinweisen, dass Kosten und Präferenzen der Patienten dabei noch unberücksichtigt sind.

Prof. Dr. med. Frank Nawroth