Vitamin D-Spiegel beeinflusst die Zykluslänge

Vitamin D wird im menschlichen Körper unter Einfluss von Sonnenstrahlung produziert und unterliegt daher beispielsweise in Norddeutschland starken saisonalen Schwankungen. Es wird mit einer Vielzahl von körperlichen Prozessen in Verbindung gesehen, in erster Linie mit dem Knochenstoffwechsel, aber auch mit dem Immun- und Fortpflanzungssystem. Beispielsweise wird über einen möglichen Zusammenhang mit dem Syndrom polyzystischer Ovarien (PCOS) in verschiedenen Arbeiten spekuliert, welches sich durch Zyklusstörungen und unerfüllten Kinderwunsch bemerkbar machen kann.
Eine aktuelle prospektive Studie hat jetzt einen interessanten Zusammenhang zwischen Vitamin D-Spiegeln und der Zykluslänge von Frauen aufgezeigt. In der Untersuchung zur Erfassung spontan eintretender Schwangerschaften wurden von 2010-15 insgesamt 1278 Zyklen von 446 Frauen ausgewertet und zusätzlich der Vitamin D-Spiegel im Blut untersucht (Jukic et al. 25-Hydroxyvitamin D and long menstrual cycles in a prospective cohort study. Epidemiology 2018; 29: 388-396).
Ein Mangel (< 20 ng/ml) lag bei 5%, ein Vitamin D-Spiegel von 20-39 ng/ml bei 69% und Werte ≥ 40 ng/ml bei 26% der ausgewerteten Zyklen vor. Es zeigte sich eine 2,8fache Steigerung der Häufigkeit verlängerter Zyklen (> 35 Tage) in der Gruppe mit niedrigen gegenüber der mit hohen Vitamin D-Spiegeln. Auffällig waren hier insbesondere verlängerte Phasen der Follikelreifung bis zum Eisprung (erste Zyklushälfte) verbunden mit einer dann verkürzten zweiten Zyklushälfte.
Zwar sind die Mechanismen der Einflussnahme und die Bedeutung für Zyklusstörungen und einen damit einhergehenden unerfüllten Kinderwunsch noch weitestgehend unklar. Jedoch weist der Zusammenhang auf einen möglichen Nutzen der Vitamin D- Messung zum Ausschluss eines Mangels sowie eine dann eventuell sinnvolle Substitution bei diesen Patientinnen hin.

Prof. Dr. med. Barbara Sonntag