Veränderung von Markern der ovariellen Reserve nach dem Absetzen hormonaler Kontrazeptiva

Aus dem Wissen, dass hormonale Kontrazeptiva den Anti-Müller-Hormon (AMH)-Wert als Marker der ovariellen Reserve bis zu ca. 30% supprimieren können (Bentzen et al. Reprod. Biomed. Online 2012; 25: 612-619), resultierte zwangsläufig die Frage, wie lange man die Medikation absetzen muss, um wieder einen „unverfälschten“ AMH-Wert zu messen. Spekuliert wurde lange über einen Zeitraum von 3-6 Monaten.

Diese praxisrelevante Frage beantwortet nun eine aktuelle prospektive Studie, in der bei 68 Frauen das AMH, der AFC (antraler Follikelcount) und das Ovarvolumen unter der Langzeiteinnahme kombinierter oraler Kontrazeptiva (KOK) (sowohl 21/7-Rhythmus als auch Langzyklen) sowie im Follow up über 4 Monate nach dem Absetzen (nach 1./2. Woche und am 2.-5. Zyklustag in 3 Folgezyklen) gemessen wurden (Landersoe et al. Ovarian reserve markers after discontinuing long-term use of combined oral contraceptives. Reprod. Biomed. Online 2020; 40: 176–186).

Das mittlere Alter der Frauen lag bei 29,4 (24-40), die mittlere KOK-Einnahmedauer bei 8,0 (3-20) Jahren. Innerhalb von 2 Monaten nach dem Absetzen des KOK zeigten sich folgende Veränderungen:

  • mittlerer Anstieg von AMH: 53% (95% CI 1,40 – 1,68, P < 0,001)
  • mittlerer Anstieg des AFC: 41% (95% CI 1,30 – 1,52, P < 0,001)
  • mittlere Anstieg des Ovarvolumens: 132% (95% CI 2,08 – 2,58, P < 0,001)

Alle 3 Parameter veränderten sich im 3. Monat nicht mehr relevant.
Die Autoren schlussfolgerten, dass die wichtigsten Marker zur Berteilung der ovariellen Reserve – AMH und AFC – bereits 2 Monate nach dem Absetzen eines KOK nicht mehr beeinflusst sind, so dass ein längeres Abwarten für die Messung nicht erforderlich ist.

Prof. Dr. med. Frank Nawroth