Skandinavische Daten sprechen gegen künstliche Befruchtung als Risikofaktor für Eierstockkrebs

Seit vielen Jahrzehnten wird ein fraglich erhöhtes Risiko für Eierstockkrebs durch die hormonelle Stimulation während einer Kinderwunschbehandlung diskutiert. Bislang gibt es keine eindeutigen dies beweisenden Studien. Durch die kürzlich publizierte Analyse skandinavischer Registerdaten zeigte sich jetzt eine Risikoerhöhung für das Auftreten von Eierstockkrebs bei Frauen nach einer zuvor mittels Reagenzglasbefruchtung (IVF = In vitro-Fertilisation) durchgeführten Kinderwunschbehandlung (Hum. Reprod. 2018;33(Suppl.):O193).
Die vorliegenden Auswertungen weisen jedoch darauf hin, dass die durchgeführte Behandlung (beispielsweise die Eizellentnahme oder hormonelle Stimulation) nicht die Ursache dafür ist. Da keine Risikoerhöhung bei Paaren mit einer männlichen Ursache (= eingeschränktes Spermiogramm) für den unerfüllten Kinderwunsch vorliegt, wird von einem Zusammenhang mit den weiblichen Ursachen des unerfüllten Kinderwunsches oder der Kinderlosigkeit selbst ausgegangen. Die als Vortrag auf der Europäischen Gesellschaft für Reproduktionsmedizin und Embryologie (ESHRE) präsentierten Daten sollen nach Aussage der Studienautoren hinsichtlich Abhängigkeit von der Zahl durchgeführter Therapiezyklen und einer erfolgten Verordnung hormoneller Verhütungsmittel in den Zeiten außerhalb des Kinderwunsches noch weiter ausgewertet werden. Die Einnahme der „Verhütungspille“ senkt bekanntermaßen das Risiko für Eierstockkrebs und gilt daher bereits seit längerem als Schutzfaktor.

Prof. Dr. med. Barbara Sonntag