San Antonio Breast Cancer Symposium 2018: Oxybutynin als Therapieoption für Hitzewallungen bei Mammakarzinom-Patientinnen

Nach gonadotoxischen Therapien beim Mammakarzinom leiden viele betroffene Frauen an Hitzewallungen. Bislang gibt es bereits einzelne pharmakologische Therapieoptionen, welche off-label eingesetzt werden können. Allerdings besteht bei einigen Präparaten (insbesondere: Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer wie z.B. Fluoxetin oder Paroxetin) die Gefahr der Wechselwirkung mit Tamoxifen, so dass ihre Anwendung im Falle einer gleichzeitigen anti-hormonellen Therapie mit Tamoxifen nicht empfohlen wird.
In einer doppelblind-randomisierten, Placebo-kontrollierten Studie an 150 Frauen wurde die Effektivität des Parasympathikolytikums Oxybutynin (jeweils 2,5 bzw. 5 mg Oxybutynin/d über 6 Wochen) zur Therapie von Hitzewallungen bei Mammakarzinom-Ppatientinnen untersucht (Leon-Ferre RA. A randomized, double-blind, placebo-controlled trial of oxybutynin for hot flashes: ACCRU study SC-1603, vorgestellt beim San Antonio Breast Cancer Symposium, Dezember 2018).
62% der Patientinnen nahmen Tamoxifen oder einen Aromatase-Hemmer ein. Unter Oxybutynin konnte eine signifikante Abnahme des Hot Flash Scores sowie auch eine signifikante Reduktion der Anzahl der Hitzewallungen pro Woche festgestellt werden. Die Effekte waren dabei unter der höheren Dosierung stärker ausgeprägt. Auch die Lebensqualität sowie Stimmung und Schlaf besserten sich unter der Therapie. Beobachtete Nebenwirkungen waren Mundtrockenheit, Miktionsprobleme und Bauchschmerzen bei beiden Dosierungen, zusätzlich Kopfschmerzen, trockene Augen sowie Durchfall bei höherer Dosierung. Eine Interaktion mit Tamoxifen wurde nicht beobachtet.
Möglicherweise stellt somit Oxybutynin eine neue Therapieoption für Hitzewallungen bei Mammakarzinom-Patientinnen dar. Langzeitdaten zur Wirksamkeit und zum Nebenwirkungsprofil stehen jedoch noch aus.
 
PD Dr. med. Sabine Segerer