Ovarielle Aktivität nach “vergessener” hormoneller Kontrazeption und Einnahme von Ulipristalacetat

2009 wurde Ulipristalacetat (UPA) zur Notfallkontrazeption zugelassen. Da es als selektiver Progesteronrezeptormodulator an Progesteronrezeptoren bindet, um die Ovulation zu verzögern, bestanden bereits früh Bedenken, dass möglicherweise die Effektivität einer Progesteron-enthaltenden kontrazeptiven Methode durch UPA selber oder durch beide Präparate reduziert sein könnte.

2015 wurde in einer prospektiven, randomisierten Studie zur Frage des „quick-starts“ eines Gestagenmonopräparates (Desogestrel 75µg) einen Tag nach UPA-Gabe eine signifikant höhere Ovulationsrate in den 6 Tagen nach Desogestrel und UPA vs. UPA allein festgestellt (45% vs. 3%; p = 0,0054) (Brache et al. A prospective, randomized, pharmacodynamic study of quick-starting a desogestrel progestin-only pill following ulipristal acetate for emergency contraception. Hum. Reprod. 2015; 30: 2785-2793). Infolge dessen empfahlen die FDA und viele internationale Leitlinien, dass Frauen, die UPA als Notfallkontrazeption einnehmen, hormonelle Kontrazeptiva erst nach fünf Tagen beginnen/wiederbeginnen sollten und während dieser fünf Tage eine Back-up Kontrazeption benötigen.

Vor kurzem wurde nun in einer neuen prospektiven, randomisierten Kohortenstudie (n = 49) die Effektivität von UPA bei bereits bestehender Einnahme kombinierter hormoneller Kontrazeptiva untersucht ((Banh et al. The effects on ovarian activity of delaying versus immediately restarting combined oral contraception after missing three pills and taking ulipristal acetate 30 mg. Contraception 2020;  May 20 [Online ahead of print]).
An drei aufeinanderfolgenden Tagen (Tag 5, 6, 7) wurde die reguläre Pilleneinnahme pausiert und am Tag 8 UPA eingenommen. Die Frauen wurden dann in zwei Gruppen randomisiert: die erste Gruppe startete unmittelbar nach UPA-Einnahme wieder mit der regulären hormonellen Kontrazeption („quick start“), die zweite erst nach fünf Tagen.
Keine der Frauen ovulierte in den ersten fünf Tagen nach UPA-Einnahme. Bei der ersten Gruppe (n = 26) mit „quick start“ nach UPA konnte nur in einem Fall im Verlauf ein Progesteronanstieg (< 10 nmol/L) beobachtet werden. Dagegen zeigte sich in der Gruppe mit verzögertem Start bei vier von 23 Frauen eine Ovulation (p = 0,042).

Die Autoren befürchten somit, dass die Verzögerung der Einnahme der regulären hormonellen Kontrazeption – welche bisweilen sogar durch erneutes Vergessen über mehr als fünf Tage ausgedehnt wird – das theoretische Schwangerschaftsrisiko steigern könnte und raten sogar zur Überprüfung der Leitlinien-Empfehlungen.

PD Dr. med. Sabine Segerer