Levonorgestrel-IUS und Mamma-Ca-Risiko

Im Dezember 2017 wurde im NEJM eine große dänische Registerstudie zum Mamma-Ca-Risiko unter hormoneller Kontrazeption publiziert. Diese ergab bei Frauen, die aktuell oder früher ein hormonelles Kontrazeptivum einnahmen, ein bis zu 20% erhöhtes relatives Risiko, an einem Mamma-Ca zu erkranken. Auch die Anwendung eines Levonorgestrel-Intrauterinsystems (LNG-IUS) war hier mit einem erhöhten relativen Risiko assoziiert. Problematisch an der Studie war allerdings, dass keine Adjustierung nach Risikofaktoren (Alter, BMI, Menarchealter, Stillzeit, körperliche Aktivität) erfolgte, was die Aussagekraft der Studie reduzierte. Zudem war die absolute Risikozunahme gering.

Aktuell wurde eine Meta-Analyse zur Frage, ob LNG-IUS das Mamma-Ca-Risiko erhöhen, publiziert (Conz et al. Levonorgestrel-releasing intrauterine system and breast cancer risk: A systematic review and meta-analysis. Acta Obstet. Gynecol. Scand. 2020; Jan 28 [Epub ahead of print]).

Eingeschlossen wurden acht Studien, davon drei Fall-Kontroll-Studien und fünf Kohortenstudien (darunter auch die oben beschriebene Registerstudie). Die Analyse der Daten zeigte ein signifikant erhöhtes Mamma-Ca-Risiko für alle Frauen mit einem LNG-IUS (OR 1,16; 95%CI 1,06-1,28; p < 0,01). Der Effekt schien bei älteren Frauen stärker ausgeprägt zu sein (< 50 Jahre: OR 1,12; 95% CI 1,02-1,22; ≥ 50 Jahre: OR 1,52; 95% CI 1,34-1,72).

Problematisch an dieser Metanalyse ist jedoch, dass in den einzelnen eingeschlossenen Studien auch Frauen mit Risikofaktoren für ein Mamma-Ca aufgenommen wurden (z.B. erhöhter BMI, Anwendung des LNG-IUS zur Therapie perimenopausaler Blutungsstörungen, gleichzeitige Hormontherapie). Auch war häufig unklar, ob und ggf. wie lange zuvor auch bereits eine hormonelle Kontrazeption erfolgte.
Für prämenopausale Patientinnen schätzen daher selbst die Autoren das Risiko als marginal ein. Hinterfragen werden muss, ob das bis zu 40% gesteigerte Risiko tatsächlich durch das LNG-IUS bedingt oder auch bereits durch das Alter/andere Risikofaktoren erklärbar ist.

PD Dr. med. Sabine Segerer