Kein Nutzen der ICSI gegenüber einer IVF bei nicht-andrologischer Indikation

Seit längerem werden mehr ICSI- als IVF-Zyklen durchgeführt. Das gilt sowohl für Deutschland als auch alle größeren Register in anderen Ländern. Erklärbar wäre das unter anderem dadurch, dass eine ICSI oft auch bei nicht-andrologischer Indikation erfolgt.

Interessant sind daher die Resultate einer retrospektiven europäischen multizentrischen Studie zum Vergleich von IVF und ICSI bei nicht-andrologischem Faktor (Drakopoulos et al. ICSI does not offer any benefit over conventional IVF across different ovarian response categories in non-male factor infertility: a European multicenter analysis. J Assist. Reprod. Genet. 2019; 36: 2067-76).

Eingeschlossen wurden in 15 Zentren (Belgien: 1; Spanien: 14) die jeweils ersten IVF- oder ICSI-Zyklen (Antagonisten-Protokoll), bei denen keine andrologische Indikation vorlag. Entsprechend der Oozytenzahl erfolgte die nachfolgende Gruppeneinteilung: poor responder (1-3), suboptimal responder (4-9), normal responder (10-15), high responder (> 15).

Bei 4892 Patientinnen wurden 4227 ICSI- und 664 IVF-Zyklen durchgeführt. Dabei zeigte sich in keiner der 4 Gruppen ein signifikanter Unterschied zwischen ICSI und IVF hinsichtlich Fertilisierungs- und Lebendgeburtenrate (frisch und kumuliert).
Unabhängig von der ovariellen Reaktion ergab die ICSI also bei nicht andrologischer Indikation keinen Vorteil, so dass die Zellzahl kein Entscheidungskriterium darstellt.

Prof. Dr. med. Frank Nawroth