Höheres Gewicht der Kinder nach Metformin in der Schwangerschaft

Metformin wird im individuellen Heilversuch auch außerhalb eines Diabetes mellitus bei Patientinnen mit dem Syndrom polyzystischer Ovarien (PCOS) eingesetzt. Nachweisliche Effekte sind beispielsweise eine Zyklusregulierung. Im Falle einer eintretenden Schwangerschaft wird üblicherweise über das Absetzen des Medikamentes beraten. Mitunter wünschen sich Patientinnen aber eine Fortführung der Einnahme unter der Vorstellung, dass sich darunter weiterhin eine verbesserte Stoffwechselsituation aufrechterhalten bzw. auch das Risiko für eine Fehlgeburt vermindern lässt. Tatsächlich fehlen aber solide Studiendaten, die diese Annahmen unterstützen würden.
In kürzlich publizierten Daten einer Follow-up-Studie (Engen et al. Metformin use in PCOS pregnancies increases the risk of offspring overweight at 4 years of age: follow-up of two RCTs. J. Clin. Endocrinol. Metab. 2018 Feb 27 [Epub ahead of print]) zur kindlichen Entwicklung bei Vierjährigen wurde überraschenderweise  ein höherer Anteil übergewichtiger oder fettleibiger Kinder nach vorheriger Metformineinnahme der Schwangeren mit einem PCOS festgestellt (32 versus 18 % in der Placebogruppe). Die Auswertung basierte auf zwei randomisiert-kontrollierten Studien aus Norwegen (PregMet und Vorläuferstudie), in denen schwangere Frauen mit einem PCOS zwischen der 5. - 12. Schwangerschaftswoche mit der Einnahme von Metformin (1700-2000 mg) oder Placebo täglich begonnen hatten. Es standen Daten aus den regulären kinderärztlichen Untersuchungen ab dem 6. Lebensmonat bis zum 4. Lebensjahr von 160 Kindern zur Verfügung. Diese zeigten ein signifikant höheres Gewicht und einen höheren Body-Mass-Index für die Metformingruppe bei nicht-signifikant unterschiedlichem Kopfumfang und Körpergröße.
Das kindliche Gewicht gilt bereits als ein wesentlicher Vorhersageparameter für späteres Übergewicht und damit verbundene Erkrankungen im Erwachsenalter. Die hier genannten Ergebnisse bestätigen uns daher in der bisherigen Vorgehensweise, über die Beendigung der Einnahme von Metformin mit der festgestellten Schwangerschaft zu beraten. Bei einzelnen PCOS-Patientinnen muss unter Berücksichtigung der Gesamtsituation oder bereits vorliegender individueller Erfahrungen ein davon abweichendes Vorgehen diskutiert werden.

Prof. Dr. med. Barbara Sonntag