Folsäure-Supplementierung: mehr als nur Prävention der Spina bifida

Folsäure (Vitamin B9) wird für die DNA-Replikation und als enzymatisches Substrat für Reaktionen in der Aminosäuren-Synthese und im Vitamin-Stoffwechsel benötigt. Eine Folsäure-Mangelsituation ist mit mütterlichen (Anämie, periphere Neuropathie) und kindlichen (u.a. Spina bifida) Anomalien assoziiert.
Der Begriff „Folat“ beinhaltet:

  • Synthetische Folsäure aus kommerziellen Nahrungsergänzungsmitteln
  • Dihydrofolat (DHF) aus Nahrungsmitteln (z.B. grünes Gemüse, Eigelb, Leber und Zitrusfrüchte), aus der im weiteren Stoffwechel L5-Methyltetrahydrafolat entsteht. In dieser Synthese stellt MTHFR das kritische Enzym dar.
  • L-Methylfolat, welches im Plasma zirkuliert und an biologischen Prozessen beteiligt ist.

Die aktuellen amerikanischen Leitlinien sehen eine hochdosierte Supplementierung (z.B. mit Folsan 5mg/d) für Frauen nach Geburt eines Kindes mit Spina bifida oder mit einer positiven Familienanamnese sowie unter Einnahme von Antikonvulsiva (z.B. Lamotrigin) vor. Für alle anderen Frauen mit Kinderwunsch wird die Einnahme von 0,4 bis 1 mg/d Folsäure täglich, beginnend 2 bis 3 Monate präkonzeptionell, angeraten. Die Fortsetzung der Einnahme in der Schwangerschaft und in der Stillzeit wird generell empfohlen.
Außerdem scheint die Folsäuren-Einnahme-Dauer zur Prävention von Frühgeburten eine Rolle zu spielen. Aus der FASTER-Studie zwischen 1999 und 2002 konnte in der Gruppe unter Folat-Einnahme über ein Jahr präkonzeptionell eine signifikante Reduktion der Rate spontaner Frühgeburten festgestellt werden (HR 0,22; 95%CI 0,08-0,61; p=0,004 für eine Geburt 20. - 28. SSW; HR 0,45; 95% CI 0,24-0,83; p=0,01 für eine Geburt 28. - 32. SSW) (Greenberg et al. Folic Acid supplementation and pregnancy: more than just neural tube defect prevention. Rev. Obstet. Gynecol. 2011; 4: 52-59).
Der Hinweis auf die Notwendigkeit der Folsäure-Supplementierung ist daher obligater Bestandteil der Beratung beim unerfüllten Kinderwunsch.

Dr. med. Raquel Pozo Ugarte