Einmalige vs. wiederholte Methotrexat-Gabe bei Tubargravidität?

Die medikamentöse Behandlung der Tubargravidität mit Methotrexat (MTX) ist etabliert, aber die verschiedenen Therapieprotokolle werden häufiger kontrovers diskutiert.
In einer aktuellen Meta-Analyse randomisierter kontrollierter Studien (bis Juli 2018) wurden die Ergebnisse im „single-dose“-, „two-dose“- und „multi-dose“-Protokoll verglichen (Alur-Gupta et al. Two-dose versus single-dose methotrexate for treatment of ectopic pregnancy: a meta-analysis. Am. J. Obstet. Gynecol. 2019; 221: 95-108.e2).

„single-dose“     = MTX (50 mg/m2 i.m.) am Tag 1 sowie individuell ggf. am Tag 7/14
„two-dose“    = MTX (50 mg/m2 i.m.) am Tag 1 und 4 sowie individuell ggf. am Tag  7/11
„multi-dose“     = MTX (50 mg/m2 i.m.) am Tag 1 und 3 sowie individuell ggf. am Tag 5/7/14

Von 1016 gesichteten Studien erfüllten 7 (mit je n=70-160) die strengen Einschlusskriterien.


Ergebnisse „two-dose“- vs. „single-dose“-Protokoll:

  • „two-dose“-Protokoll signifikant erfolgreicher (OR 1,84; 95% CI 1,13 – 3,00)
  • „two-dose“-Protokoll signifikant erfolgreicher bei „hohem“ HCG (je nach Studie definiert als > 3000 – 5500 mIU/ml) (OR 3,23; 95% CI 1,53 – 6,84) sowie bei „großem“ Adnexbefund (je nach Studie definiert als > 2 – 3,5 cm) (OR 2,93; 95% CI 1,23 – 6,9)
  • „two-dose“-Protokoll seltener mit Operation wegen Tubarruptur (nicht signifikant) (OR 0,65; 95% CI 0,26 – 1,63)
  • „two-dose“-Protokoll mit 7,9 Tage kürzerem Follow up
  • „two-dose“-Protokoll häufiger mit (leichten und kurzzeitigen) Nebenwirkungen (aber keine Hospitalisierung, kein Therapieabbruch) (OR 1,53; 95% CI 1,01 – 2,30)


Ergebnisse „multi-dose“- vs. „single-dose“-Protokoll:

  • „multi-dose“-Protokoll mit Reduktion des Therapieversagens (nicht signifikant) (OR 0,56; 95% CI 0,28 – 1,13)  
  • „multi-dose“-Protokoll mit signifikant häufigeren Nebenwirkungen (OR 2,10; 95% CI 1,24 – 3,54)
  • vergleichbare Wahrscheinlichkeit einer  Operation wegen Tubarruptur
  • vergleichbares Follow up

Die Autoren schlussfolgern, dass das „two-dose“- dem „single-dose“-Protokoll hinsichtlich Therapieerfolg und –zeit überlegen ist. Das gilt vor allem auch bei „hohem“ HCG und „großem“ Adnexbefund (Definition siehe oben). Das „multi-dose“-Protokoll ergibt keine signifikanten Vorteile, so dass die „two-dose“-Gabe als first-line-Protokoll empfohlen wird.

Prof. Dr. med. Frank Nawroth